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Kölner Stadtanzeiger 07/2005 Gute Hausgeister

Rentner versorgen in den Ferien unbewohnten Besitz

Die Dienstleistung von 28 Haushüter-Agenturen in Deutschland richtet sich auch an Unternehmer.
VON ALEXANDRA KLAUS

Köln - "Könnten Sie unsere Blumen gießen? Nur so viermal die Woche, das sollte reichen. Ach ja, der Schornsteinfeger wollte irgendwann kommen. Könnten Sie einen Termin mit ihm ausmachen? Das war echt nett. Die Goldfische brauchen regelmäßig Futter. Und der Briefkasten sollte auch nicht überquellen. Also, am besten schauen Sie doch jeden Tag mal vorbei."
Derartige Anfragen in Ferienzeiten, die so manchem lieben Nachbarn, Freund oder Familienmitglied Schweißperlen auf die Stirn treiben, beantwortet Günter Kratz mit einem freudigen "Ja, natürlich". Urlauber können von ihm darüber hinaus erwarten, dass der daheim gebliebene Hund Gassi geführt, wichtige Post weitergeleitet und das Haus vor unerwünschtem Besuch bewacht wird - fast rund um die Uhr. Freilich ist dies kein Freundschaftsdienst, sondern ein Service gegen Honorar:

Günter Kratz betreibt eine Haushüter-Agentur in Münster und ist Vizevorsitzender des Verbands Deutscher Haushüter-Agenturen (VDHA). Im VDHA sind 28 Haushüter-Agenturen in Deutschland zusammengeschlossen. Diese haben gemeinsam, dass sie bestimmte Anforderungen erfüllen, wie etwa eine behördliche Zulassung, eine Betriebshaftpflichtversicherung gegen Schäden während des Einsatzes oder geprüfte Haushüter, die unter anderem ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen können.

Das Besondere an dem Service ist, dass der Haushüter in das Heim seines Kunden einzieht. Dies hat den Vorteil, dass das Haus trotz der Abwesenheit der Besitzer bewohnt ist. Dadurch werden zum einen Einbrecher abgeschreckt: "In 300 000 Einsatztagen hatten wir noch keinen Einbruch", sagt Kratz nicht ohne Stolz. Zum anderen können die Haushüter im Notfall (etwa bei Sturmschäden) Reparaturdienste organisieren. Und nicht zuletzt kann das Haustier in der gewohnten Umgebung bleiben. "Die Mehrheit unserer Kunden sind Tierbesitzer, die ihren Hund oder ihre Katze nicht in eine Pension geben wollen, aber das Tier auch nicht mit in Urlaub oder auf Geschäftsreise nehmen können", erläutert Kratz. Zunehmend kämen auch Anfragen von Gewerbetreibenden. "Für die nehmen wir beispielsweise Anrufe entgegen."
Die Haushüter sind durchweg Rentner. "Wir haben es auch mal mit Studenten versucht, das war aber keine gute Idee", blickt Kratz auf die Anfänge vor etwa 18 Jahren zurück. Da seien schon mal Kumpels in die Kunden-Villa geladen und Partys gefeiert worden. Die Ruheständler in Diensten der Agenturen hingegen zeichne hohes Verantwortungsbewusstsein aus. "Viele von ihnen hatten Führungstätigkeiten und möchten sich auch im Ruhestand nützlich machen", erläutert Kratz, der selbst Polizeidirektor war und als Pensionär "nicht im Garten Blättchen zählen" wollte. Deshalb gründete er nach dem Vorbild aus den USA, wo derartige Dienstleistungen gang und gäbe sind, eine Agentur, die inzwischen 32 Mitarbeiter beschäftigt. Bundesweit sind etwa 1000 Haushüter im Einsatz. Finanziell müssen sie so abgesichert sein, dass sie nicht auf den Zuverdienst als Haushüter bauen müssen. Denn reich wird man mit dem Job nicht: Etwa 50 Büro pro Tag (je nach Aufgabenvielfalt) berechnet die Agentur dem Kunden, rund 15 Büro davon bekommt der Mitarbeiter. Dafür aber hat auch der Haushüter im fremden Heim ein bisschen Urlaub vom Alltag.
Verband Deutscher Haushüter-Agenturen (VDHA), Postfach 480164, 48078 Münster, @ 0 25 01/7171 (montags bis freitags 13 bis 16 Uhr). Der Verband vermittelt dem Kunden die für seinen Wohnort zuständige Agentur. Die Haushüter-Tätigkeiten gelten als "haushaltsnahe Beschäftigung", weshalb Kunden 20 Prozent jeder Leistungsrechnung (maximal 600 Euro im Jahr) von der Einkommenssteuer abziehen können.

www.vdha.de

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