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Stiftung Warentest - Spezial "Sicherheit" (10/98) Haushüteragenturen - gut geschützt

Bewachen durch Bewohnen

In der Urlaubszeit ist auch ein gut gesichertes Haus oft leichte Beute. Aber die Rettung naht in Gestalt eines "Haushüters", der für die Zeit der Abwesenheit einzieht und Wache hält.

Die Idee stammt aus Amerika und England: "Homesitting" hat sich dort schon Mitte der 70er Jahre etabliert. Seit Anfang der 80er Jahre sind Haushüter auch in Deutschland bekannt. Wer vorübergehend auf Reisen ist, überläßt sein Haus oder die Wohnung einem Dienstleistungsunternehmen, der Haushüter-Agentur. Der Service: Ein Mitarbeiter bewohnt das Anwesen während der Abwesenheit des Besitzers ununterbrochen.

Die Bandbreite des Angebotes kann sich sehen lassen: Haushüter versorgen die Haustiere, gießen Blumen, pflegen den Garten, leeren den Briefkasten und schicken auf Wunsch dem Urlauber Post und Faxe nach, nehmen zudem Telefonate entgegen, die sie notieren oder kurzerhand weiterleiten. Auch um die daheimgebliebenen Kinder, um Oma und Opa können sie sich kümmern. Schließlich läßt sich darüber hinaus auch ein kompletter Büroservice ordern, der die Abwesenden beispielsweise über wichtige Schreiben, Anfragen oder Angebote auf dem laufenden hält. In Notfällen, wie Wasserrohrbrüchen und Sturmschäden, holen sie Hilfe oder Handwerker.

Haushüter dringen nicht nur tief in die Privatsphäre ihres Auftraggebers ein, sondern übernehmen auch große Verantwortung. Das Bedarf besonderen Vertrauens. Deshalb setzen die Agenturen oftmals lebenserfahrene, finanziell abgesicherte Senioren ein, die hinsichtlich ihres beruflichen Werdegangs und der Lebensverhältnisse zuvor eingehend überprüft wurden. Auch ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis müssen sie nachweisen. Der pensionierte Richter findet hier ebenso eine gelegentliche Aufgabe für den Lebensabend wie der frührere Verlagskaufmann. Entlohnt werden sie von ihren Agenturen nach Auskunft des Dachverbandes auf Basis des 620-Mark-Gesetzes.

Die Leistungen werden individuell nach den Wünschen des Kunden ermittelt und in einer Checkliste festgehalten. Was ist wo zu tun? Welche Räume sind regelmäßig durch Kontrollgänge zu überwachen? Wo befinden sich zum Beispiel Anrufbeantworter, Hauptwasser- und Gashahn, wo Sicherungskasten und Feuerlöscher? Und: Welche Räume und Gegenstände sind für den Haushüter ausdrücklich tabu?

Während seiner Anwesenheit darf der Hüter, so eine Dienstanweisung an die dem Verband angeschlossenen Betriebe, das Haus tagsüber zu unregelmäßigen Zeiten insgesamt drei Stunden verlassen, nach der Tagesschau nochmals eine Stunde. Ob Haushüter an ihrem Arbeitsplatz Besuch empfangen dürfen, wird vorab mit dem Kunden geklärt. In dem zu schützenden Objekt jedoch Partys zu feiern, ist ihnen selbstredend verboten. Schußwaffen dürfen die Wächter während ihrer Tätigkeit weder besitzen noch führen oder gar benutzen, selbst dann nicht, wenn sie als Privatleute einen Waffen- oder Waffenbesitzschein haben. Auch haben sie selbstverständlich keinerlei polizeiliche Befugnisse - sie passen eben nur auf und schlagen nötigenfalls Alarm.

Über Informationen, die der Hüter während seines Dienstes erlangt, ist er zu Stillschweigen verpflichtet. Und rempelt er versehentlich beim Staubsaugen den Fernseher vom Tisch, sind die Folgen über eine Haftpflichtversicherung gedeckt. Es gibt Mindestsummen für Personenschäden (2 Millionen Mark), Sachschäden (500 000 Mark), Abhandenkommen bewachter Sachen (30 000 Mark) sowie Vermögensschäden (25 000 Mark).

Am Ende des Einsatzes steht ein Abnahmeprotokoll, in dem alle Vorkommnisse aufgelistet sind. Der Kunde prüft die Abrechnung etwaiger Auslagen und bescheinigt die ordnungsgemäße Rückgabe des Objektes. Auch Beschwerden und Unregelmäßigkeiten werden festgehalten.

Was das kostet

Die Kosten für einen Standard-Haushüterdienst liegen im Durchschnitt bei etwa 80 bis 110 Mark pro Tag. Zusätzliche Aufgaben außerhalb des üblichen Rahmens sind möglich, werden aber gesondert berechnet. Interessenten können sich an den Verband Deutscher Haushüter-Agenturen wenden, der Mitgliedsunternehmen vermittelt.

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